Zentrale Quelle für den Mythos der Ersten Welt sowie die moderne Einordnung von Bahamut, Tiamat, Sardior und den Drachenfamilien.

Götter & Religion
Schöpfungsmythen, drakonische Gottheiten und ihre Beziehungen – quellenbasiert eingeordnet und miteinander verknüpft.
Götter, Mythen und Beziehungen.
SCHÖPFUNG & URSPRUNGSchöpfungsmythenMehrere Überlieferungen statt einer einzigen verbindlichen Ursprungsgeschichte.
Welche Schöpfungsgeschichte ist für eine Kampagne gemeint? Zuerst zählt die Spielwelt: Phandalin, die Schwertküste und Chult liegen auf Toril (Forgotten Realms), Eberron und Krynn sind andere Welten. Die Erste Welt (First World) gehört zu einer möglichen weltübergreifenden Vorzeit; Io/Asgorath behandelt vor allem drakonische Überlieferungen. Ein Abenteuer in einer Welt legt nicht automatisch fest, welcher ihrer Mythen wörtlich wahr ist. Zur Schöpfungsüberlieferung Torils →
5. EDITION · MYTHISCHE VORZEITDie Erste Welt (First World)Bahamut, Tiamat und die Welt vor den heutigen Welten.
Die Erste Welt
Die Vorstellung einer Welt vor den heutigen Welten erscheint bereits in Tasha's Cauldron of Everything (2020): Gelehrte berichten dort von einer ursprünglichen einzelnen Realität, die vor dem heutigen Multiversum existiert haben soll. Eine große Katastrophe zerbrach diese erste Schöpfung; die späteren Welten lassen sich in dieser Überlieferung als unterschiedliche Spiegelungen oder Ausprägungen dieser verlorenen Welt verstehen.
Fizban's Treasury of Dragons (2021) baut diese Vorstellung zu einer ausdrücklich drakonischen Schöpfungsüberlieferung aus. Die dort abgedruckte „Elegy for the First World“ ist ein altes drakonisches Gedicht unbekannten Ursprungs, das in leicht unterschiedlichen Fassungen in den Überlieferungen von Drachen verschiedener materieller Welten vorkommt. Der anschließende Prosatext des Buches deutet seine Aussagen; Gedicht und Auslegung sind keine unabhängigen historischen Belege.
In dieser Erzählung erschufen Bahamut und Tiamat gemeinsam die Erste Welt. Sie erschufen auch Sardior, den Rubin-Drachen. Sardior wirkte danach mit Bahamut an den metallischen und mit Tiamat an den chromatischen Drachen mit. Damit stehen die drei Gottheiten in diesem Mythos gemeinsam am Anfang des Drachenvolks; andere Publikationen erzählen ihren Ursprung anders.
Der Konflikt und das Zerbrechen
Nach der drakonischen Überlieferung kamen andere Gottheiten und die von ihnen geschaffenen Völker hinzu. Der Anspruch der Drachen auf ihre Welt und die Ansprüche dieser Neuankömmlinge führten zum Konflikt. Die Erste Welt zerbrach; aus ihr gingen die vielen Welten der Materiellen Ebene hervor. Das Gedicht schildert Bahamut schließlich als jemanden, der mit den fremden Göttern Frieden schließt, während Tiamat ihnen weiter feindlich gegenübersteht. Diese Rollen beschreiben die Sicht der Elegy und sind keine für jede D&D-Welt verbindliche Geschichte.
Sardior und die Edelsteindrachen
Eine weitere Deutung verbindet das Zerbrechen der Ersten Welt mit Sardiors möglicher Zerstörung. Nach dieser Vorstellung gingen aus Splittern seines Bewusstseins die Edelsteindrachen der späteren Welten hervor. Das Buch behandelt diese Herkunft als Möglichkeit; sie ist nicht mit der vorher beschriebenen Erschaffung metallischer und chromatischer Drachen gleichzusetzen. Mehr zu Sardior →
Eine Welt vor den Welten
Die Erste Welt steht in dieser Überlieferung am Anfang der heutigen materiellen Welten. Ihr Zerbrechen bietet innerhalb dieser Kosmologie eine Erklärung dafür, warum sich Wesen, Motive und drakonische Überlieferungen auf verschiedenen D&D-Welten wiederfinden können, ohne dort vollkommen identisch zu sein.
Drachen und das Multiversum
Fizban's Treasury of Dragons beschreibt mögliche Echos eines Drachen auf anderen materiellen Welten: verwandte, aber nicht notwendig identische Entsprechungen. Durch Dragonsight kann ein Drache sich solcher Echos bewusst werden; das Buch verbindet diese Idee auch mit der besonderen Macht von Greatwyrms. So erhält der Mythos Folgen für Drachen der Gegenwart. Die Einzelheiten gehören in den Bereich Ursprung der Drachen.
Für dieses Archiv behandeln wir die Erzählung von der Ersten Welt ausdrücklich als eine veröffentlichte D&D-Überlieferung und nicht als eine für alle Editionen und Settings verbindliche Ursprungsgeschichte. Ältere Editionen und einzelne Welten erzählen Herkunft, Schöpfung und Verwandtschaft drakonischer Gottheiten teilweise anders. Diese Varianten werden getrennt nach Quelle und Setting eingeordnet und nicht zu einer neuen gemeinsamen Geschichte vermischt.
EBERRONDie drei Progenitor DragonsSiberys, Eberron und Khyber – Schöpfungsmythos, kosmische Dreiteilung und unterschiedliche Überlieferungen.
Im verbreitetsten Schöpfungsmythos Eberrons stehen drei gewaltige Ur-Drachen am Anfang der Welt: Siberys, Eberron und Khyber. Sie werden als Progenitor Dragons oder in älteren Quellen als Progenitor Wyrms bezeichnet. Ihre Geschichte erklärt nicht nur die Gestalt der Welt, sondern verbindet Kosmologie, Drachen, Fiends, Couatl, Dragonshards und die Draconic Prophecy miteinander. Zugleich behandeln die Quellen diese Erzählung ausdrücklich als Überlieferung: Sie ist der bekannteste Schöpfungsmythos des Settings, aber nicht die einzige Erklärung für den Ursprung der Welt.
Die drei Progenitor Dragons
Siberys · Dragon Above
Siberys steht in den Überlieferungen für den Himmel und wird in späteren drakonischen Traditionen besonders mit Magie verbunden. Nach seinem Tod werden seine Überreste zum leuchtenden Ring of Siberys, der die Welt umgibt. Siberys wird außerdem mit den Couatl und – je nach Quelle – mit dem Ursprung beziehungsweise der Lebenskraft der Drachen verbunden.
Eberron · Dragon Between
Eberron ist die vermittelnde Kraft zwischen Siberys und Khyber. In der verbreiteten Erzählung besiegt Eberron Khyber nicht durch Vernichtung, sondern indem Eberron den Gegner umschließt und bindet. Aus diesem Akt entsteht die bewohnbare Welt selbst: Eberron wird zum Dragon Between, zur Oberfläche und lebenden Welt zwischen Himmel und Tiefe.
Khyber · Dragon Below
Khyber ist mit den Tiefen, Dunkelheit und den Mächten verbunden, die später aus der Unterwelt hervortreten. Nach dem Kampf bleibt Khyber im Inneren Eberrons eingeschlossen und wird zum Dragon Below. Fiends, Overlords und zahlreiche Schrecken der Tiefe werden in verschiedenen Überlieferungen mit Khyber in Verbindung gebracht.
Die ursprüngliche 3.5e-Überlieferung
Das Eberron Campaign Setting von 2004 erzählt eine Fassung, in der die Welt ursprünglich noch nicht in „above, below and between“ geteilt ist. Die drei Progenitor Wyrms stehen über den übrigen frühen Drachenwesen. Besonders wichtig ist hier die Draconic Prophecy: Schon diese erste Settingquelle lässt offen, ob Siberys, Eberron und Khyber die Prophecy erschufen oder lediglich entdeckten und in Bewegung setzten.
Siberys und Khyber geraten schließlich wegen der Prophecy in einen gewaltigen Kampf. Ihre Kräfte verwüsten die Welt. Erst als sie dem Untergang nahe ist, greift Eberron ein. In dieser Fassung zerbricht Eberron die Prophecy und nutzt die dabei freiwerdende Macht, um die beiden Gegner zu trennen und die Welt neu zu formen. Der sterbende Siberys wird zum Ring, Khyber wird im Inneren der Welt eingeschlossen und Eberron legt sich zwischen beide und wird mit der verwüsteten Welt eins.
Die Erschaffung von Leben, Drachen und Fiends
Die 2004er Überlieferung verbindet die Neuformung der Welt unmittelbar mit der Entstehung ihrer Bewohner. Siberys und Eberron erschaffen in ihren letzten bewussten Handlungen Nachkommen und füllen die Welt mit Drachen und anderem Dragonkind. Eberrons schöpferische Kraft lässt darüber hinaus weiteres Leben entstehen. Khyber antwortet aus der Gefangenschaft mit eigenen dunklen Lebensformen; daraus gehen die Fiends hervor, die später das Age of Demons prägen.
Damit ist der Progenitor-Mythos zugleich der Übergang von der eigentlichen Kosmogonie zur frühesten Geschichte Eberrons. Die späteren Kämpfe zwischen Drachen, Couatl und den Overlords werden in den Quellen als Fortsetzung beziehungsweise Nachhall dieses ursprünglichen kosmischen Konflikts verstanden.
Die drakonische Überlieferung aus Argonnessen
Dragons of Eberron von 2007 erweitert die Schöpfungsgeschichte aus der Perspektive der Drachen deutlich. Dort erscheinen Golden Siberys, Gentle Eberron und Cruel Khyber mit stärker ausgeprägten schöpferischen Rollen: Siberys wird mit Magie, Eberron mit Leben und Khyber mit den Wesen der Dunkelheit verbunden.
In dieser Tradition wirken die Progenitors auch an der Gestaltung der Ebenen mit. Unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie die kosmische Ordnung aussehen sollte, tragen zum Konflikt zwischen Siberys und Khyber bei. Einzelne Ebenen werden dabei verschiedenen Progenitors zugeschrieben. Diese Zuordnungen sind jedoch nicht über alle Editionen hinweg identisch und dürfen daher nicht als unveränderliche Kosmologie behandelt werden.
Couatl, Drachen und Overlords
Die ausführlichere drakonische Tradition verbindet auch die großen Wesen des frühen Eberron unmittelbar mit den Progenitors. Die Couatl werden mit dem Blut Siberys' verbunden. Die Drachen entstehen in einer Überlieferung aus einer Verbindung von Siberys' Blut mit Eberrons Lebenskraft. Khyber wiederum wird mit Fiends und den mächtigen Overlords verbunden.
Dadurch erhält der spätere Krieg der Drachen und Couatl gegen die Overlords eine kosmologische Bedeutung: Er kann als Fortsetzung des ursprünglichen Konflikts zwischen den Progenitor Dragons verstanden werden. Die vollständige Geschichte dieses Krieges gehört jedoch in die Geschichte der Drachen und des Age of Demons.
Die Draconic Prophecy
Die Draconic Prophecy gehört zu den wichtigsten Verbindungen zwischen Schöpfungsmythos und Gegenwart des Settings. Schon das Eberron Campaign Setting lässt ausdrücklich offen, ob die Progenitors sie erschufen oder entdeckten. Spätere Quellen behandeln sie als ein gewaltiges Muster von Möglichkeiten, Bedingungen und zukünftigen Entwicklungen, das sich in der Welt selbst ausdrückt.
Gerade deshalb sollte die Prophecy nicht einfach als von den drei Drachen geschriebenes „Buch der Zukunft“ verstanden werden. Die Quellen präsentieren unterschiedliche Vorstellungen über ihren Ursprung und ihre Funktionsweise. Für die Drachen Argonnessens ist ihre Erforschung über Zeitalter hinweg zu einer der bestimmenden Aufgaben ihrer Kultur geworden.
Die drei Dragonshard-Arten
Auch die drei Arten von Dragonshards spiegeln die kosmische Dreiteilung wider. Siberys Dragonshards stammen aus beziehungsweise fallen aus dem Ring of Siberys. Eberron Dragonshards werden in der Erdkruste der Welt gefunden. Khyber Dragonshards sind mit den Tiefen und dem Dragon Below verbunden. Ihre Namen und Fundorte machen die Progenitor-Erzählung damit im Alltag Eberrons sichtbar, unabhängig davon, ob der Mythos wörtlich verstanden wird.
Thir und die Religion der Drachen
Für die Drachen Argonnessens besitzt der Progenitor-Mythos eine besondere religiöse Bedeutung. In der drakonischen Tradition Thir – der Name bedeutet „Drei“ – bilden die Progenitor Dragons die höchste Ebene einer dreistufigen göttlichen Ordnung. Unter ihnen stehen drakonische Gottheiten und weitere göttliche beziehungsweise souveräne Mächte.
Die Progenitors werden dabei nicht zwangsläufig wie persönlich ansprechbare Götter verehrt. Siberys gilt als tot, während Eberron und Khyber als kosmisch gewaltige Mächte verstanden werden. Die Religion erklärt damit zugleich, warum die drei für die Drachen von fundamentaler Bedeutung sind, ohne dass sich ihre Verehrung wie ein gewöhnlicher Tempelkult darstellen muss.
Andere Schöpfungsmythen Eberrons
Der Mythos der drei Progenitor Dragons ist weit verbreitet, aber die Quellen betonen ausdrücklich, dass er nicht die einzige Schöpfungserzählung Eberrons ist. Das Player's Guide to Eberron nennt beispielsweise Überlieferungen, in denen the Traveler die Welt aus einem Drachen hervorholt, Onatar sie aus Drachenschuppen schmiedet oder Aureon sie in der drakonischen Sprache ins Dasein spricht.
Diese Varianten sind für das Setting wichtig: Selbst dort, wo andere Gottheiten als Schöpfer auftreten, bleiben Drachen häufig Bestandteil der Erzählung. Keine dieser religiösen Traditionen besitzt innerhalb der Welt einen allgemein beweisbaren Anspruch auf absolute Wahrheit.
4. Edition · eine veränderte kosmologische Präsentation
Die 4e-Publikationen von 2009 behalten die grundlegende Dreiteilung bei: Siberys ist der Dragon Above, Eberron der Dragon Between und Khyber der Dragon Below. Der Mythos prägt Religion, Philosophie und Folklore, wobei unterschiedliche Kulturen eigene Fassungen kennen.
Gleichzeitig wurde Eberrons planare Kosmologie für die 4. Edition verändert. Dadurch unterscheiden sich auch einzelne Zuordnungen von Ebenen und kosmischen Beziehungen von der 3.5e-Darstellung. Diese Änderungen sind für das Archiv relevant, weil eine spätere Editionskosmologie nicht rückwirkend als Erklärung der ursprünglichen 2004er Fassung verwendet werden sollte.
5. Edition · Rückkehr und Neuordnung
Mit Eberron: Rising from the Last War von 2019 wird die Kosmologie wieder stärker an das klassische Eberron-Modell angelehnt. Die moderne Schöpfungsüberlieferung beschreibt die Progenitors als Schöpfer der Ebenen und der materiellen Welt. Khyber wendet sich gegen Siberys und zerstört ihn; Eberron bindet Khyber, indem Eberron selbst zur Welt und zum Gefängnis des Dragon Below wird. Siberys bleibt als Ring über der Welt zurück.
Die 5e-Darstellung bewahrt damit das zentrale Bild der drei Drachen, setzt aber andere Schwerpunkte als die ursprüngliche 2004er Geschichte um den Kampf über die Draconic Prophecy.
Was ist Mythos – und was ist in der Welt sichtbar?
Die Quellen lassen bewusst Raum zwischen religiöser Erklärung und beobachtbarer Wirklichkeit. Der Ring of Siberys existiert. Die Welt Eberron und die gewaltigen Tiefen Khybers existieren. Die drei Arten von Dragonshards existieren ebenso wie uralte Spuren des Age of Demons. Diese Tatsachen beweisen innerhalb des Settings jedoch nicht automatisch jede Einzelheit des Progenitor-Mythos.
Auch moderne Darstellungen lassen alternative Vorstellungen zu. Manche Überlieferungen setzen beispielsweise Xoriat oder eine andere Realität vor die bekannte Schöpfung. Der Ursprung der Progenitors selbst bleibt damit offen. Der Mythos erklärt die Welt – aber die Quellen bewahren bewusst das Geheimnis, ob er ihre buchstäbliche Geschichte ist.
Unterschiedliche Fassungen der Überlieferung
Die Entwicklung über die Editionen lässt sich deshalb nicht sinnvoll zu einer einzigen Fassung glätten:
Progenitor Wyrms, Konflikt um die Draconic Prophecy, Zerstörung und Neuformung der Welt; Siberys und Eberron erschaffen Dragonkind, Khyber bringt Fiends hervor.
Ausführlicher erzählter Mythos und ausdrücklich mehrere alternative kulturelle Schöpfungsgeschichten.
Vertiefte drakonische Tradition aus Argonnessen, erweiterte Rollen der drei Progenitors sowie Verbindungen zu Ebenen, Couatl, Drachen und Overlords.
Die Dreiteilung bleibt bestehen, während die planare Kosmologie und einzelne kosmische Zuordnungen editionsbedingt verändert werden.
5e-Fassung mit den Progenitors als Schöpfern der Ebenen und der materiellen Welt; der Konflikt wird anders gewichtet als in der ursprünglichen Prophecy-zentrierten Darstellung.
Weiterlesen Eberron Campaign Setting (Wizards of the Coast, 2004) – ursprüngliche veröffentlichte Settingfassung; Age of Dragons, Progenitor Wyrms, Draconic Prophecy, Neuformung der Welt sowie Ursprung von Dragonkind und Fiends.
Player's Guide to Eberron (Wizards of the Coast, 2006), insbesondere „Creation Myths“ – ausführliche Erzählung von Siberys, Eberron und Khyber sowie alternative Schöpfungsmythen um Aureon, Onatar und the Traveler.
Faiths of Eberron (Wizards of the Coast, 2006) – ergänzende Quelle zu Religion, Glaubensvorstellungen und der religiösen Vielfalt des Settings.
Dragons of Eberron (Wizards of the Coast, 2007), insbesondere S. 8 – ausführliche drakonische Überlieferung der Progenitors, Argonnessen, Thir und Verbindungen zu Drachen, Couatl und Fiends.
Eberron Player's Guide (Wizards of the Coast, 2009) – 4e-Darstellung der Progenitor Dragons und der dreigeteilten Weltstruktur.
Eberron Campaign Guide (Wizards of the Coast, 2009) – 4e-Settingdarstellung und veränderte planare Kosmologie.
Eberron: Rising from the Last War (Wizards of the Coast, 2019) – maßgebliche 5e-Darstellung des Schöpfungsmythos, der Ebenen und der kosmischen Dreiteilung.
DRAKONISCHE SCHÖPFUNGSÜBERLIEFERUNGENIo / AsgorathDer Ninefold Dragon und unterschiedliche Überlieferungen über den Ursprung der Drachen, Bahamuts und Tiamats.
Io – der Ninefold Dragon
Io gehört zu den älteren großen Schöpfergestalten der drakonischen Mythologie von Dungeons & Dragons. In verschiedenen Quellen erscheint Io als Schöpfer der Drachen und als eine Gottheit, die gegensätzliche Aspekte des Drachenwesens in sich vereint. Zu seinen überlieferten Beinamen gehören Ninefold Dragon, Concordant Dragon, Great Eternal Wheel und Creator of Dragonkind.
In den Forgotten Realms begegnet dieselbe drakonische Schöpfergestalt unter dem Namen Asgorath. Cult of the Dragon (1998) verbindet die Namen ausdrücklich miteinander und erklärt, dass Asgorath auf den Outer Planes gewöhnlich Io genannt wird. Das Archiv behandelt Io und Asgorath deshalb gemeinsam, trennt aber die jeweiligen Überlieferungen nach Quelle, Edition und Setting.
Asgorath und das Book of the World
Das Forgotten-Realms-Draconomicon von 1990 enthält mit dem Book of the World eine eigene kosmische Schöpfungsüberlieferung. Darin nimmt Asgorath eine zentrale Rolle ein; auch Asgoraths Blut ist mit der Entstehung der Drachen verbunden. Die Quelle präsentiert diese Erzählung als überlieferten Schöpfungsmythos und nicht als eindeutig datierte historische Chronik.
Io als Vater – 3.5e
Races of the Dragon (2006) überliefert einen unter Dragonborn erzählten Mythos. Io erschafft zunächst Vorel und danach Bahamut und Tiamat. Bahamut und Tiamat sind hier also von Io erschaffene Nachkommen. Io beabsichtigt, in ihnen unterschiedliche Eigenschaften des Drachenwesens zu verwirklichen. Ihre spätere Feindschaft wird innerhalb dieser Überlieferung mit Vorel und dem Konflikt zwischen den Geschwistern verbunden.
Der Fall Ios – 4. Edition
Die 4. Edition erzählt Ios Schicksal im Zusammenhang mit dem Krieg zwischen Göttern und Primordials. Im Monster Manual (2008) tritt Io allein gegen den Primordial Erek-Hus, den King of Terror, an. Erek-Hus spaltet den Drachengott mit einer gewaltigen Adamant-Axt in zwei Hälften. Aus Ios linker Hälfte erhebt sich Bahamut, aus der rechten Tiamat. Beide kämpfen anschließend gemeinsam gegen Erek-Hus und töten ihn.
Das ebenfalls 2008 erschienene Draconomicon: Chromatic Dragons bewahrt jedoch ausdrücklich mehrere Fassungen. Eine davon entspricht der Vorstellung, dass Bahamut und Tiamat aus den beiden Hälften Ios hervorgehen. Eine andere erzählt, dass sie bereits zu Ios ältesten Kindern gehörten und nach seinem Tod von der freigesetzten göttlichen Macht ihres Vaters erfüllt und dadurch zu Gottheiten wurden.
Monster Mythology (TSR, 1992), S. 104 – Io in der älteren drakonischen Götterwelt.
Cult of the Dragon (TSR, 1998), S. 120 – Verbindung von Asgorath und Io in den Forgotten Realms.
Draconomicon: The Book of Dragons (Wizards of the Coast, 2003) – Io als Ninefold Dragon und Schöpfergestalt der Drachen.
Races of the Dragon (Wizards of the Coast, 2006), S. 16 sowie S. 155–156 – Io, Vorel, Bahamut und Tiamat sowie drakonische Religion.
Monster Manual, 4. Edition (Wizards of the Coast, 2008), S. 74 – Erek-Hus, Ios Tod und die Entstehung Bahamuts und Tiamats aus den beiden Hälften Ios.
Draconomicon: Chromatic Dragons (Wizards of the Coast, 2008), insbesondere S. 6 und S. 26 – unterschiedliche Überlieferungen zu Ios Tod sowie zur Erhebung Bahamuts und Tiamats.
FORGOTTEN REALMS · TORILDie Frühzeit TorilsSelûne, Shar und Chauntea – die Schöpfungsüberlieferung der Welt von Phandalin, der Schwertküste und Chult.
Welche Welt entsteht hier?
Die Abenteuer Lost Mine of Phandelver und Tomb of Annihilation spielen auf Toril: Phandalin liegt an der Schwertküste, Chult auf demselben Planeten. Für die Frage nach der Frühzeit ihrer Spielwelt sind daher zuerst die Forgotten Realms einschlägig. Das bedeutet nicht, dass eines dieser Abenteuer eine einzige Schöpfungsgeschichte als historische Tatsache festlegt.
Ao, Selûne, Shar und Chauntea
Eine ältere religiöse Überlieferung der Forgotten Realms setzt Ao vor die Entstehung der Schwestern Selûne und Shar. Gemeinsam formen diese die Himmelskörper und Chauntea. Chauntea wünscht sich Wärme und Licht, damit Leben gedeihen kann. Der Gegensatz von Licht und Dunkelheit führt zum Streit der Schwestern; die Erzählung verbindet diese Frühzeit auch mit dem Ursprung weiterer göttlicher Mächte und der Magie. Einzelheiten hängen von der jeweiligen Buchquelle ab.
Ao und Abeir
Andere Darstellungen der frühen Welt behandeln Ao, den Konflikt zwischen Göttern und Primordials sowie die Trennung von Abeir und Toril. Die Trennung der Welten ist ein anderes Thema als die Frage, wer die allererste Welt erschuf. Auch die spätere Sundering der 5e-Gegenwart darf nicht mit dem mythischen Ursprung gleichgesetzt werden.
Was zeigen offizielle Abenteuer?
Lost Mine of Phandelver spielt um Phandalin und behandelt die Entstehung Torils nicht als Handlungsthema. Tomb of Annihilation spielt in Chult und greift mit Ubtao die religiösen Überlieferungen dieser Region auf; daraus folgt keine Bestätigung einer Schöpfung des gesamten Planeten. Hoard of the Dragon Queen und The Rise of Tiamat bringen Tiamat als drakonische Gottheit in eine Forgotten-Realms-Kampagne, erzählen damit aber nicht den später in Fizban's Treasury of Dragons veröffentlichten Mythos der Ersten Welt nach.
Forgotten Realms Campaign Guide (2008) und Sword Coast Adventurer's Guide (2015) – Weltgeschichte, Abeir und Toril sowie die spätere Sundering.
Lost Mine of Phandelver (2014), Tomb of Annihilation (2017), Hoard of the Dragon Queen (2014) und The Rise of Tiamat (2014) – Abenteuerbeispiele und ihre jeweils begrenzten Bezüge zur Schöpfungslore.
DRAGONLANCE · KRYNNSchöpfungsüberlieferungen KrynnsHigh God, Chaos, die Götter und die mythische Entstehung der Drachenwelt Krynns.
Die Schöpfungsüberlieferungen Krynns gehören zu den ältesten eigenständigen Kosmologien eines D&D-Settings. Ihre Ereignisse liegen in der mythischen Vorzeit und werden in Dragonlance-Quellen als religiöse Überlieferung, Legende und frühe Weltgeschichte erzählt. Einzelheiten unterscheiden sich je nach Publikation und Edition; deshalb werden die Fassungen hier nicht zu einer scheinbar eindeutigen Chronik zusammengezogen.
High God und Chaos
Am Anfang der Dragonlance-Kosmologie stehen der High God und Chaos als grundlegende kosmische Mächte. Der High God ist mit Ordnung, Schöpfung und dem göttlichen Plan verbunden. Chaos bildet die ursprüngliche Gegenkraft. Spätere theologische Quellen Krynns beschreiben die Schöpfungsordnung zudem über die Doctrine of the Balance und die Progression of Souls.
Die drei göttlichen Lager
Die Götter Krynns ordnen sich um drei große Prinzipien: Gut, Neutralität und Böse. Paladine, Gilean und Takhisis stehen im Zentrum dieser Ordnung. Das Gleichgewicht dieser Kräfte ist ein wesentlicher Bestandteil der Dragonlance-Kosmologie und prägt auch die späteren Konflikte um die sterblichen Seelen.
Die Formung Krynns
Reorx nimmt in den klassischen Überlieferungen eine zentrale Rolle bei der materiellen Formung der Welt ein. Die übrigen Götter wirken an der Ausgestaltung Krynns und seiner Ordnung mit. Diese Schöpfungszeit gehört zum Age of Starbirth; eine verlässliche kalendarische Datierung der Ereignisse existiert nicht.
Die ersten Drachen
Die Entstehung der Drachen ist eng mit der frühen Göttergeschichte Krynns verbunden. In den klassischen Überlieferungen werden die ersten Drachen durch das Wirken von Reorx, Paladine und Takhisis geprägt. Takhisis bringt die ersten chromatischen Drachen hervor beziehungsweise zieht die ursprünglichen Drachen auf ihre Seite; als Gegenstück entstehen die metallischen Drachen auf der Seite Paladines. Aus diesem Gegensatz entwickelt sich der frühe All-Dragons War.
All-Dragons War
Der Konflikt zwischen den göttlichen Lagern greift auf ihre Drachen über. Der daraus entstehende Krieg bedroht die junge Welt so stark, dass die Auseinandersetzung beendet werden muss. Damit wird bereits in der mythischen Frühzeit ein Grundmotiv Dragonlances sichtbar: Keine der großen kosmischen Mächte soll die Welt vollständig beherrschen.
Die Seelen und der All-Saints War
Ein weiterer Schöpfungskonflikt entsteht um die noch ungeborenen Seelen der Sterblichen. Die Mächte des Guten wollen sie führen, die Mächte des Bösen über sie herrschen und die Mächte der Neutralität ihre freie Entscheidung bewahren. Der daraus hervorgehende All-Saints War wird durch den High God beendet. Die sterblichen Wesen erhalten schließlich Gaben der verschiedenen göttlichen Lager; besonders wichtig für die weitere Geschichte Krynns ist dabei der freie Wille.
Solinari, Lunitari und Nuitari
Mit der frühen göttlichen Ordnung sind auch die drei Monde und Magiegottheiten Solinari, Lunitari und Nuitari verbunden. Sie stehen jeweils den drei großen göttlichen Lagern nahe und bilden später die Grundlage für die drei Traditionen der High Sorcery auf Krynn.
Unterschiedliche Fassungen der Überlieferung
Die Schöpfungsgeschichte Krynns wurde über mehrere Dragonlance-Publikationen hinweg verändert und erweitert. Die älteren Darstellungen in DL5: Dragons of Mystery, DL14: Dragons of Triumph, Dragonlance Adventures und Leaves from the Inn of the Last Home stimmen nicht in allen Einzelheiten mit der späteren Fassung in Tales of the Lance überein. Unterschiede betreffen unter anderem die Rolle des High God beim Ende des All-Saints War, einzelne Abstammungs- und Entstehungserzählungen der Gottheiten sowie die Reihenfolge bestimmter Ereignisse.
Überlieferung statt exakter Chronik
Die Quellen behandeln das Age of Starbirth nicht wie eine lückenlos datierte historische Epoche. Die Schöpfung Krynns, die frühen Götterkriege und die Entstehung der sterblichen Welt gehören zur mythischen Vorgeschichte. Spätere Dragonlance-Publikationen ordnen und erweitern diese Überlieferungen, ohne daraus eine verlässlich datierbare Ereigniskette zu machen.
Weiterlesen DL5: Dragons of Mystery (TSR, 1984) – frühe veröffentlichte Schöpfungsüberlieferung Krynns; enthält „The Creation of the World“ und „The Gods of Krynn“.
DL14: Dragons of Triumph (TSR, 1986) – weitere frühe Darstellung der Geschichte und kosmologischen Überlieferung Krynns.
Dragonlance Adventures (TSR, 1987) – zentrale klassische Quelle zu Göttern, Schöpfung, Age of Starbirth und früher Geschichte Krynns.
Leaves from the Inn of the Last Home (TSR, 1987) – ergänzende klassische Überlieferungen zu Schöpfung, Göttern und früher Geschichte.
Tales of the Lance (TSR, 1992) – ausführliche spätere Fassung mit „The Creation of Krynn“, All-Dragons War, All-Saints War und Starbirth of Mortals; weicht in einzelnen Punkten von älteren Darstellungen ab.
Player's Guide to the Dragonlance Campaign (TSR, 1993) – ergänzende 2e-Quelle zu Krynns Göttern, Mythen und der chronologischen Geschichte „The River of Time“.
Dragonlance Campaign Setting (Wizards of the Coast / Sovereign Press, 2003) – 3e-Systematisierung der Kosmologie und des Age of Starbirth.
Holy Orders of the Stars (Sovereign Press, 2005) – vertiefende Quelle zu High God, Chaos, den Gottheiten, Doctrine of the Balance und der religiösen Ordnung Krynns.
Dragonlance: Shadow of the Dragon Queen (Wizards of the Coast, 2022) – moderner 5e-Kontext für Krynn und seine Götterwelt.
DRAGON GODBahamutDer Platin-Drache · eng mit metallischen Drachen verbunden
Einordnung
Bahamut gehört zu den zentralen drakonischen Gottheiten von Dungeons & Dragons. In der modernen Überlieferung von der Ersten Welt wird er gemeinsam mit Tiamat als Schöpfer der ersten Welt dargestellt. Seine Verbindung zu den metallischen Drachen ist ein wiederkehrender Bestandteil der D&D-Lore.
Beziehungen
Tiamat bildet den wichtigsten Gegenpol zu Bahamut. Für die Geschichte und Eigenheiten der mit ihm verbundenen Drachen führt das Archiv getrennt zu den metallischen Drachen.
DRAGON GODTiamatDie Drachenkönigin · eng mit chromatischen Drachen verbunden
Einordnung
Tiamat zählt zu den zentralen drakonischen Gottheiten von Dungeons & Dragons und wird besonders mit chromatischen Drachen verbunden. Der Mythos der Ersten Welt stellt sie zusammen mit Bahamut an den Anfang der drakonischen Schöpfungsgeschichte.
Beziehungen
Die Beziehung zwischen Bahamut und Tiamat prägt einen großen Teil der drakonischen Mythologie. Informationen über die mit Tiamat verbundenen Drachen selbst gehören in den Bereich Chromatische Drachen.
DRAGON GODSardiorDer Rubin-Drache · Gottheit der Edelsteindrachen
Einordnung
Sardior ist der Rubin-Drache und die Gottheit der Edelsteindrachen. In der für die 5. Edition beschriebenen Lore residiert er in einer fliegenden Stadt aus Rubin und Rotgold, die nur nachts sichtbar sein soll, und wird von einem Rat aus fünf uralten Edelsteindrachen begleitet.
Verbindungen
Seine zentrale Verbindung führt zu den Edelsteindrachen. Deren Geschichte und einzelne Arten werden auf der Drachenseite behandelt; hier bleibt der Schwerpunkt auf Sardior selbst und seiner religiösen bzw. mythologischen Rolle.
ARCHIV WÄCHSTWeitere drakonische GottheitenÄltere Editionen und weitere Welten werden quellenweise ergänzt.
Dieser Bereich wird schrittweise um weitere belegte drakonische Gottheiten und unterschiedliche Überlieferungen ergänzt. Wo Editionen oder Settings voneinander abweichen, werden die jeweiligen Darstellungen getrennt ausgewiesen.
↑ Zur ÜbersichtGLAUBE & KULTURDragonborn & ReligionGlaube ist nicht bei allen Dragonborn, Welten und Kulturen gleich.
Die religiösen Traditionen der Dragonborn werden hier nur aus Sicht der Gottheiten eingeordnet. Gesellschaft, Herkunft und kulturelle Entwicklung der Dragonborn selbst gehören in das Dragonborn-Archiv.
Schon die aktuellen Grundregeln präsentieren mehrere Ursprungserzählungen für Dragonborn: Eine Überlieferung führt ihre Entstehung auf von Bahamut und Tiamat gesegnete Dracheneier zurück, eine andere auf Drachen ohne göttlichen Segen. Das Archiv behandelt solche Varianten nebeneinander, statt daraus eine einzige verbindliche Geschichte zu machen.
↑ Zur ÜbersichtWo die Spur weitergeht.
Enthält unter anderem die aktuellen Ursprungserzählungen der Dragonborn und deren Bezug zu Bahamut und Tiamat.